Deutscher Braumeistertag in Rostock

In der Hansestadt Rostock trafen sich vom 17. bis 19. Juni 2011 die Mitglieder des Deutschen Brau- und Malzmeisterbundes e. V. (DBMB) zum Braumeistertag und bekamen ein reichhaltiges Programm geboten. Sichtlich stolz empfing der 1. Vorsitzende der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern, Hartmut Wetzel, die 560 Teilnehmer am Begrüßungsabend in der HanseMesse. Die zweitkleinste Landesgruppe des DBMB hatte sich mächtig ins Zeug gelegt und bot den Teilnehmern ein sehr abwechslungsreiches Wochenende. Das Wetter war durchwachsen, die Stimmung bestens.

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H. Wetzel hieß die 560 Gäste auf dem Begrüßungsabend herzlich willkommen

DAS RAHMENPROGRAMM bot eine Fülle von Möglichkeiten: Stadtrundgang in Rostock, Bad Doberan-Münster und Fahrt mit der Molli in Kühlungsborn, Stadtrundfahrt und Besichtigung von Schloss Schwerin, Segeltörn mit einem Dreimaster, Hafenrundfahrt und Besichtigung der Hanseatischen Brauerei Rostock.

Der Festabend fand in der VIP-Lounge der DKB-Arena statt und verführte zu der einen oder anderen Fachsimpelei in Sachen Fußball, zumal Hansa Rostock ab der kommenden Saison wieder in der 2. Bundesliga vertreten sein wird.

Für die Festrede begrüßte DBMB-Präsident Thomas Lauer Dr. Till Backhaus, den Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz von Mecklenburg-Vorpommern, der die Vorzüge des Landes als Tourismusregion, Rückzugsgebiet vieler seltener Tier- und Pflanzenarten und auch als attraktiven Standort für die Wirtschaft beschrieb.

T. Lauer bedankte sich herzlich bei Hartmut Wetzel, stellvertretend für die Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern, für die tolle Organisation und bei den zahlreichen Sponsoren (Hauptsponsor GEA), ohne deren Unterstützung der Braumeistertag gar nicht möglich wäre. Neben der Gratulation an die beiden Geburtstagskinder August Genal und Peter Wachenschwanz wurden vier Ehrungen für 50jährige Mitgliedschaft im DBMB vorgenommen. Für 60 Jahre Zugehörigkeit wurde Walter Suhr geehrt, der zwar in Rostock dabei war, aber leider am Festabend nicht teilnehmen konnte.

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Geehrt für 50 Jahre DBMD-Mitgliedschaft (v.l.): Richard Barthelmäs, Alfred Laßmann
sowie Arndt Strobel und Dr. Karl-Dieter Esser hier mit Präsident Thomas Lauer (M.)

Nach einem ereignisreichen Tag bot das festliche Buffet für jeden Geschmack etwas. Wer wollte, schwang danach das Tanzbein oder tauschte sich mit Kollegen aus.

Am Sonntag klang der Braumeistertag beim Frühschoppen im Braugasthaus „Zum Alten Fritz“ aus. Das Wetter spielte mit, und es ließen sich viele bei Fischhäppchen nicht nur die alkoholfreien Bierspezialitäten und Biermischgetränke der Stralsunder Brauerei schmecken.

Ein Lob muss auch den anderen beteiligten Brauereien ausgesprochen werden. Auf dem Begrüßungsabend und der Hauptversammlung des DBMB sorgten die Hanseatischen Brauerei Rostock und auf dem Festabend die Mecklenburgischen Brauerei Lübz für Bier und Getränke.

Die äußerst gelungene Veranstaltung wird wohl manchen Teilnehmer dazu inspirieren, demnächst ein paar Tage Urlaub in Rostock und Umgebung zu verbringen.

Hauptversammlung

Gemessen an der Zahl der Teilnehmer war die Hauptversammlung nur mäßig besucht. Eigentlich schade, da das Präsidium viel Zeit und Energie in die ehrenamtliche Arbeit beim DBMB investiert.

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Das Präsidium — gut aufgestellt für die Zukunft

Der noch amtierende Präsident des Deutschen Brauer-Bundes (DBB), Wolfgang Burgard, sprach über „Künftige Herausforderungen für die Brauwirtschaft“. Neben den bekannten Positionen des DBB zu den Fragen des Deutschen Reinheitsgebotes oder der Alkoholpolitik erläuterte er, dass im Export noch große Potentiale lägen. Die deutsche Lebensmittelindustrie habe einen Exportanteil von circa 30 Prozent, die deutsche Brauwirtschaft im Vergleich dazu im Jahr 2010 von 15,8 Prozent, mit steigender Tendenz. Burgard ermunterte die Brauereien erneut, sich gegenüber der Politik und der Gesellschaft in Geschlossenheit zu präsentieren.

Präsident Lauer streifte kurz die letzten Entwicklungen im nationalen und internationalen Biermarkt. Der Stagnation in der Bierproduktion weltweit in den Jahren 2009 und 2010 steht ein weiterer Rückgang im deutschen Markt gegenüber. Lauer hofft, dass ein erneutes Unterschreiten der 100-Mio-Hektoliter-Marke (2010: 98,3 Mio hl) vielleicht durch die Frauen-Fußball-WM und einen guten Sommer 2011 verhindert werden kann. „Weniger Menschen trinken weniger Bier“, skizzierte er die Entwicklung des Biermarktes für die kommenden Jahre. Obwohl auch bei den Biermischgetränken bereits 2009 eine Konsolidierungsphase erreicht wurde (2009: –3,1 %), seien diese „aus dem Sortenportfolio der deutschen Brauer nicht mehr wegzudenken“, so der Präsident. Mit der neuen Positionierung des alkoholfreien Weizens habe die Erdinger Brauerei einen neuen Trend gesetzt, lobte Lauer. Die Bedeutung der Sorte lasse sich auch daran erkennen, dass die ZDF-Sendung WISO eine Verkostung mit namhaften Experten durchführte (siehe BRAUWELT Nr. 24, 2011, S. 738).

Bei den politischen Rahmenbedingungen streifte Lauer die EUR-Krise und das Thema Energiewende. Nach seinen Ausführungen handele es sich nicht um eine Krise des EUR, sondern um eine Krise der Staatsfinanzen und einer „Politik der Ausreden und des Zuschauens“ in Europa. Beim Thema Energiewende verwies Lauer auf die am 6. Juni von der Bundesregierung beschlossene Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Regenerative Stromquellen sollten jetzt entschlossener ausgebaut werden, damit der Atomstrom nach dem beschlossenen Ausstieg mit weniger Strom aus konventionellen Kohlekraftwerken ersetzt werden muss.

Tätigkeitsberichte

In seinem Tätigkeitsbericht hob Lauer die vier Schwerpunkte der Arbeit des Präsidiums hervor. Der DBMB versteht sich als Berufsverband der Brauereitechniker in Deutschland und grenzt sich damit klar von den zahlreichen Alumnivereinigungen der Hoch- und Fachschulen ab. Bei der Mitgliederwerbung müsse noch mehr auf die Gewinnung jüngerer Kollegen aus der Zulieferindustrie gelegt werden. „Die Jahrgänge 1975 bis 1980 sind mit circa 200 Mitgliedern unterrepräsentiert“, stellte Lauer fest.

Klare Position bezieht der DBMB gegen eine weitere Verschärfung der Alkoholpolitik und hält höhere Steuern, Abgabebeschränkungen und Beschneidung der Werbefreiheit für keine probaten Mittel, um dem Alkoholmissbrauch zu begegnen. Bei der Umsetzung der neuen Ausbildungsordnung könne nach den ersten Abschlussprüfungen ein sehr positives Fazit gezogen werden. Lauer betonte: „Die Anstrengungen haben sich gelohnt, die Bewertung der Prüfungsleistungen ist wesentlich objektiver geworden.“ Erfolge gebe es auch bei den Fortbildungen für die Berufsschullehrer, die immer besser angenommen würden.

Präsident Lauer sprach allen Funktionsträgern des DBMB seinen Dank für „ihren Einsatz und hohes Engagement“ aus und begrüßte die neuen Vorsitzenden der Landesgruppen: Ralph Balthasar, LG Niedersachsen, Ralf Hohmann, LG Thüringen, Thorsten Jauch, LG Baden, und Jens Kemmel, LG Berlin. Im Anschluss berichteten Präsidiumsmitglieder über ihr Ressort. Schatzmeister Dieter Borghorst konnte ein positives Ergebnis 2010 präsentieren und gab auch für 2011 einen positiven Ausblick.

Stefan Lustig berichtete im Bereich Arbeits- und Sozialwesen, dass sich trotz der weiteren Konsolidierung in der Brauwirtschaft die Zahl der Fälle nicht erhöht habe. Seiner Meinung nach beginne bereits im enger werdenden Markt die Jagd nach den Talenten.

In Vertretung für Dr.-Ing. Josef Fontaine, der wegen anderweitiger Verpflichtungen erst am Samstagabend am Braumeistertag teilnehmen konnte, berichtete Präsident Lauer über die Entwicklung der Mitgliedszahlen. Wie bereits in seiner Ansprache wies er darauf hin, dass die Zahlen zwar erfreulich konstant seien (ca. 2900), aber einiger Nachholbedarf bei den jungen Mitgliedern bestehe.

Oliver Landsberger berichtete genauer über die positiven Erfahrungen mit der neuen Prüfungsordnung und stellte das Datenpaket vor, mit dessen Hilfe die Prüfungsergebnisse wesentlich schneller ausgewertet werden können (zu beziehen über die Geschäftsstelle des DBMB). Beispielhaft hob er eine Spende der LG Nordrhein-Westfalen für die Berufsschule Dortmund vor. Eine Neuerung wird laut Landsberger ein Treffen der Vorsitzenden der Prüfungsausschüsse im Oktober in Berlin sein. Ziel ist eine bundesweit einheitliche Prüfung. Zum Abschluss berichtetet Landsberger von den neuen Studiengängen an der FH RheinMain in Geisenheim und der FH Weihenstephan Triesdorf.

Rolf Houben stellte als Kassenprüfer aufgrund der ordnungsgemäßen Kassenführung den Antrag auf Entlastung, die einstimmig erteilt wurde.

Neuwahlen

In gewohnt routinierter Weise übernahm Ehrenpräsident Peter Düll die Wahlleitung und die Hauptversammlung stimmte der Entlastung, allen Anträgen und Wahlvorschlägen einstimmig zu. Damit entfällt im DBMB ab sofort das Amt des stellvertretenden Präsidenten, das bisher Michael Doetsch innehatte. Alle gewählten Personen nahmen die Wahl an. Dem neuen Präsidium gehören an:

  • Thomas Lauer — Präsident;
  • Dr. Ing. Josef Fontaine — Ressort allg. Geschäftsführung;
  • Dieter Borghorst — Ressort Finanzen;
  • Oliver Landsberger — Ressort techn.-wissenschaftliches Bildungswesen;
  • Dr.-Ing. Stefan Lustig — Ressort Arbeits- und Sozialwesen;
  • Michael Doetsch und PD Dr. Martin Krottenthaler — jeweils ohne Ressort.

Als Präsidialmitglieder wurden gewählt: Stefan Gimpel-Hennig, Michael Reischmann, Werner Sauer, Franz-Xaver Brummer und Dr.-Ing. Hans-Georg Eils. Als Kassenprüfer fungieren weiterhin Rolf Houben und Horst-Jürgen Soja. Die komplette Organisationsstruktur einschließlich der Vorsitzenden der Landesgruppen des DBMB kann unter www.dbmb.de abgerufen werden.

Ausblick

Zum Abschluss der Hauptversammlung wurden die kommenden Braumeistertage angekündigt: 2013 in Stuttgart, 2015 in Nordbayern und am 23. April 2016 außerplanmäßig zum 500. Jahrestag des Bayerischen Reinheitsgebotes in Ingolstadt.

Michael Schmitt

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Fachverlags Hans Carl